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Freitag, 28. Oktober 2016

die hat angefangen


"Na, ausgeschlafen?"

"Na ja…. nicht so wirklich."

"Oh."

"Wissen Sie, seit ich alt bin muss ich nachts nämlich immer aufs Klo. Ich wache um drei Uhr auf und muss, wirklich jede Nacht, unfassbar, so ein Mist. Und dann bin ich wach und kann nicht mehr einschlafen. Schlimm ist das."

"Wie alt sind Sie, wenn ich fragen darf?"

"Dreiundvierzig."

Gelächter.

Rentner haben echt null Einfühlungsvermögen.

Dienstag, 25. Oktober 2016

psst


"Alex, kannst du mir bitte diesen Stapel Blätter tackern? Immer drei zusammen."

"Klar."

"Danke."

Ich mach das gerne. Weil ich den Klang mag, wenn die Enden der Metallgrampe durch das Papier schießen und sich dann zueinander biegen. Klack-Klack. Schön.

Aber das sage ich nicht, weil neulich:

"Wenn du die Sechserträger von oben mit den Fingern durchstößt, kannst du sie viel besser aus dem Kasten nehmen um sie ins Regal zu stellen."

"Ich weiß. Mach ich aber nicht."

"Hä?"

"Wenn ein Kunde so einen Sechserträger kaufen möchte, dann will er ihn schließlich selbst, äh, quasi entjungfern."

"Bitte was?"

"Pass auf. Hör mal hin. Dieses Geräusch, wenn du mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger den Karton des Sechserträgers eindrückst, um ihn anzuheben. Perfekt, hörst du es? Da haben sich Menschen Gedanken darüber gemacht, glaub mir. Ganz unbewusst geschieht das. Plong - ich will es und hab ein gutes Gefühl dabei. Toll."

"Oh Mann."


Sensible Menschen werden total oft, nicht so recht verstanden.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Kassenleistung


"Naaaa….", fragt er mich, "immer noch ohne?"

"Immer noch ohne."

"Und wie geht es Ihnen?"

"Es geht mir wunderbar. Gucken Sie, meine Zähne werden von Tag zu Tag weißer. Und ich hab ohne Nikotin sehr viel weniger Stress, das ist die allerschönste Erfahrung."

Er nickt.

"Weil Sie keine Entzugserscheinungen mehr haben und den Moment genießen können."

"Weil ich keine Entzugserscheinungen mehr habe und den Moment genießen kann."

"Was war Ihr persönlicher Tiefpunkt?"

"Wie meinen Sie das?"

"Meiner war der, als ich mich nachts in das Kinderzimmer meines Sohnes geschlichen und sein Sparschwein zerhauen habe. Ich hatte kein Münzgeld mehr."

Er lächelt.

"Ich frag Sie nächste Woche wieder, ja?"



Selbsthilfegruppen. Manchmal finden sie dich.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Wackeldackel


"Ich nehme noch so ne Hülle für die Kippen mit. Wegen der Kinder."

"Ja, ja, is recht", sag ich nickend.


"Ihr Chef hat gesagt, ich bekomm das gratis. Weil ich doch letzte Woche…."

Ich hör längst nicht mehr hin. Ich nicke und mach´s einfach. 


"Haben Sie eine Kundenkarte?"

"So etwas besitze ich nicht! Ich werde mich nicht ausspionieren lassen! Die bekommen mich nicht! Niemals! Ich mache auch bei keinen Preisausschreiben mit! Keine Chance, ich bleibe unsichtbar!"

Was will man da sagen? "Da haben Sie aber mal recht!", sag ich deshalb. Zur Untermauerung nicke ich.


"Ihre EC-Karte ist nicht unterschrieben. Haben Sie vielleicht einen Ausweis dabei, damit ich Ihren Namen abgleichen kann?"

(Eigentlich ist mir das ja viel zu blöd. Früher hab ich den Leuten noch erklärt, dass das leichtsinnig ist. Jeder Dödel kann schließlich unterschreiben, wenn das Feld auf der Rückseite frei ist und ich habe Tipps gegeben. "Schwärzen Sie doch wenigstens mit Edding das Feld. Damit kein Unbefugter unterschreiben kann." Vergiss es. Mir wurde dann erklärt, dass das Kreditinstitut schließlich in der Beweispflicht blablabla. Frauen haben mir erklärt, warum sie sehr wohl auf der Kreditkarte ihres Mannes unterschreiben dürfen und Männer haben mir erklärt, dass…. hm, hab ich vergessen. Jedenfalls ist mir das mittlerweile egal. Im Januar hab ich nämlich beschlossen, dass ich mir ab sofort nicht mehr anderer Leute Köpfe zerbrechen will. Ich arbeite noch an der Umsetzung. Ist ja erst Oktober, krieg ich hin.)

"Wegen dreizehn Euro? Ist das Ihr Ernst? Dafür hol ich ganz bestimmt nicht meinen Ausweis raus!"

Reg ich mich auf? Nein. Ich lächle. Und ich wünsche einen schönen Tag und ich nicke. Na, eigentlich nicke ich ja nicht. Aber wegen dem roten Faden im Text und so. Liest sich flüssiger, wenn es einen gibt.


Ich steh auf und schlendere zu meiner Kollegin an Kasse 3. "Ey", sag ich, "von allen schlecht bezahlten Jobs auf dieser Welt…. haben wir da nicht den geilsten von allen?"

Sie hat kein Gespür für Fäden, trägt meistens beige oder orange und nickt deshalb nicht. So ist das Leben.

Dienstag, 18. Oktober 2016

jo mei



"Jesus, Maria.... was machst du? Wie machst du das? Noch nie hab ich.... oh Gott, das ist perfekt."

Ich will mich ja nicht selber loben, aber: ich koch nen astreinen Kaffee. Ist so.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

selten so gelacht


Ist doch gerade so modern, sich die Bluse oder das Shirt vorne in die Jeans reinzustopfen. So leger, als wäre es zufällig passiert, beim Anziehen, bisschen unachtsam, weil in Eile. "Äh, entschuldigen Sie…. Ihre Bluse ist, nun, da, das sieht seltsam, äh, machen Sie das mal richtig hin." Momentan sieht es schick aus. Auch wenn es oft lächerlich aussieht. Andauernd sehe ich Frauen, die sich Blusen und Shirts, weil es gerade so schick aussieht und geh mir fort. Ich mach da nicht mit. 

Gestern war ich einkaufen. Zufällig. Hab nen Pulli gekauft. Spontan. In grün. Hoffnung. Vergiss es. Jedenfalls ist er vorne kürzer als hinten. Hm.

Heute Morgen hab ich ihn angezogen. Der Pulli sieht ein bisschen aus, als hätte ich ihn vorne am Bund reingekrumpfelt, weil er doch vorne etwas kürzer als hinten, mach ich ja aber nicht, reinkrumpfeln, weil  ja jeder und lächerlich und ich keinen flachen Bauch und wer hat das schon? Eben. Aber irgendwie sieht das schon so aus, also, wenn man nur die Silhouette und so weiter. Hach ja. Sieht super aus. Mein neuer Lieblingspulli.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Artikel gelesen. Welches ist eines der ausgeprägtesten menschlichen Bedürfnisse? Zugehörigkeit.

So funktioniert Mode. Und auch alles andere. Määäh.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Mahlzeit


"Warum dauert das so lange?"

"Ist doch nicht schlimm."

"Das kann doch nicht so lange dauern!"

"Mich stört das nicht."

"Mich aber."

"Weil du ein Ungeduldsbolzen bist."

"Ein was?"

"Ein Ungeduldsbolzen."

"Ich bin hungrig."

"Ich weiß."

"Du etwa nicht?"

Ich lächle.

"Ah, da kommt unser Essen. Iss schnell."

Donnerstag, 6. Oktober 2016

pff


Ich stehe am Regal und richte Weinflaschen aus. Ausrichten ist wichtig. Also für mich. Ich öffne Kartons, entnehme Flaschen und stelle sie ins Regal. Ausrichten. Alt vor neu. Ich muss das nicht machen. Ich bin als Kassiererin angestellt. Aber ich kann nicht stillsitzen. Und ich erkenne was mich stört. Leere Regale und unausgerichtete Flaschen stören mich. Lebenszeit. Manchmal könnt ich kotzen. 

Eine ältere Dame erscheint hinter mir. Sie mustert mich. Jeden Donnerstag kommen sie und ihr Mann einkaufen. Sie steht da und ist erstaunt: "Mein Gott! Sie sind aber groß! Sonst seh ich Sie ja immer nur sitzend, da fällt das gar nicht so auf. Sie sind aber groß! Sind Ihre Eltern auch so riesig?"
Ich lächle und erkläre, dass meine Eltern klein sind. Weil sie der Nachkriegsgeneration angehören, Mangelernährung. Und, dass Menschen eben nicht so groß werden, wenn sie in ihrer Kindheit unterversorgt sind. Ich erkläre ihr, dass Menschen in Nordkorea im Schnitt zehn Zentimeter kleiner sind, als in Südkorea. Ich hab keine Ahnung, ob das wirklich stimmt. Hab ich mal irgendwo gelesen. Sie nickt und glaubt mir.

Ich setze mich an die Kasse. Es wird voller. Ich staune über Kunden, die für Tafelwasser Geld ausgeben. Leitungswasser. Vierneunundneunzig die Kiste. Schnäppchen! Es geht uns gut. 

Ich beobachte Menschen, wie sie wie ferngesteuert an den Kippenautomat schweben. Ich lächle. Vor und nach "wie ferngesteuert" gehört vermutlich jeweils ein Komma. Und vor "was" vielleicht auch. Gestern Nachmittag hätte ich fast eine geraucht. Weil ich so voller Enttäuschung und Wut und Sorge und Trauer bin. Mein Hirn hat noch nicht verinnerlicht, dass Rauchen nicht beruhigt, sondern Entzugserscheinungen, komm, vergiss es, ist ja auch egal. Meine Zähne sind jedenfalls schon fast wieder weiß. Prima.
Ich kenne eine Frau, die in einem Casino arbeitet. Geschichten erzählt die…. Menschen sind so manipulierbar. Tja. 

Ich bemerke, dass meine Kollegin neuerdings roten Nagellack und auffällige Ringe trägt. Ich mache ihr ein Kompliment und sie lächelt.

Und dann geh ich heim. Und der Transporter vom Verputzer steht vor dem Haus. Ich könnte ihn zum Mittagessen einladen…. hm, ach was. 

Wie auch immer: Morgen ist Freitag, wunderbar.

Und: Ic ab mic ser über die Mail gefreut, Danke! Ic antworte gleic. Aber erst muss ic mit dem Und raus.

Kennen Sie den?


"Guten Morgen!"

"Guten Morgen, kommt ein Skelett zum Arzt…. Sie haben doch Zeit, nicht wahr?"

"Selbstverständlich, schicke Jacke haben Sie heute an."

"Danke. Sagt der Arzt: "Sie kommen aber ein bisschen spät!"

"Lustig. Kommt ein Mann zum Arzt, sagt der Arzt: "Sie müssen dringend mit dem Onanieren aufhören."

"Hihihihi…. haben Sie eigentlich schon ein Werbeprospekt für nächste Woche?"

"Ja sicher, hier, bitteschön. Fragt der Mann: "Warum?" Sagt der Arzt: "Damit ich Sie endlich untersuchen kann."

"Der ist gut. Wissen Sie auch, was das beste an der Muttermilch ist?"

"Macht dann bitte 18,49 Euro. Was denn?"

"Ich zahle mit Karte. Die Verpackung! Hihihi…. bisschen anzüglich ist der ja schon...."

"Ach was, ich kann das ab. Sagt der Haifischpapa zum Haifischsohn, ich glaub den kennen Sie noch nicht: "Heute zeig ich dir mal, wie man Menschen frisst. Siehst du das Schlauchboot da drüben? Da schwimmst du jetzt hin und umkreist es zehnmal. So, dass die Menschen deine Rückenflosse sehen." "Und dann?", fragt der Sohn. Hier, Ihre Karte. "Dann beisst du ins Boot und frisst sie anschließend." "Und warum soll ich vorher das Boot umkreisen? Ich kann sie doch auch gleich fressen." "Das stimmt", antwortet der Haifischpapa, "aber leerg´schisse´ schmecken sie besser." Oh, jetzt haben wir Ihre Kundenkarte vergessen einzuscannen….."

"Macht nix, macht gar nix…. heute haben Sie gewonnen, Glückwunsch! Bis zum nächsten Mal!"

"So machen wir das."



Jubel, Trubel, Heiterkeit.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Weltfrieden


"Hey! Alex! Was machst du denn hier?"

"Ich wohne hier. Da oben. Und was machst du hier?"

"Ach, ich muss da drüben ne Wand verputzen und ein paar Fenster streichen."

"Witzig. Und sonst so?"

"Ich bin auch immer noch alleine."

"Hm."

"Schon blöd."

"Hm."

"Na ja, irgendwann find ich schon jemanden."

"Bestimmt."

"So, so, du wohnst also hier. Das ist ja ein lustiger Zufall, dass ich ausgerechnet gegenüber die Wand verputzen soll. Bestimmt sehen wir uns dann noch ein paarmal, schön!"

Ich nicke.

Ich verabschiede mich.

Ich steige ins Auto.

Er winkt mir lächelnd nach.

Ein Schöner. Und auch noch einer von den Guten.

Und die Moral von der Geschicht´?

Ich werd diese Kinder großziehen und dann flieg ich auf die Malediven, alleine. Leck mich doch am Arsch.

Vorhin, ich komm ins Büro, ziemlich mies gelaunt, sagt mein Chef: "Los, kommen Sie! Wir trinken gerade Sekt, hier, ein Glas!"

Jo. Manchmal sind Menschen ganz okay. 

Montag, 3. Oktober 2016

ozopftis


"Alex, kommst du auch?"

"Nein."

"Warum nicht?"

"Ich hasse Menschen."

"Ach Alex."

"Welcher Caterer kommt?"

"Der selbe wie im letzten Jahr."

"Guter Krabbencocktail."

Also bin ich halt hin.

Jede Frau kann ein Dirndl tragen. Das weiß ich jetzt. Nicht jede sollte es tun. Das hatte ich vorher schon vermutet. Mit das größte Problem beim Dirndl scheint wohl das passende Schuhwerk zu sein. Hm. Schlimme Dinge sieht man da. Oktoberfest. Nicht das echte. So ein nachgemachtes. Doppelhm.

"Gibt's dieses Jahr keinen Krabbencocktail?"

"Alex…. heut ist Bayern. Keine Krabben."

Verdammt.

Also echt jetzt.

"Weißt du, Alex, ich hab manchmal einfach keinen Bock mehr. Letztens kommt so ein Typ an die Info und schmeisst mir einen Leergutbon auf die Theke. Wortlos. Kein Blickkontakt, nix. Meine Laune war eh im Keller, ein anstrengender Tag. Also hab ich ihm das Geld ausbezahlt. Ich hab ihm die Münzen hingeschmissen und mich dann wortlos weggedreht. Leck mich doch, wer bin ich denn? Der Kunde hat sich schriftlich über mein untragbares Verhalten beschwert und dem Chef empfohlen  mich auf eine Schulung zu schicken. Ich hab mir also keinen Gefallen getan. Wäre ich nur über meinen Schatten gesprungen."

Ich nicke. Was wären wir ohne Selbsthilfegruppen.

"Ey, Marco, du hast ja auch kein Dirndl an, seh ich grad."

"Geeeeenau! Wei ich diesen Scheiß nich mittmach, weiß du? Üüüübeall Ogdobafeschde…. jedes Kaff machd ein Ogdobafeschd! Ich mach da nitt mitt. So! Weißt du, was das einzige Gute an Bayern ist?"

"Die Ärsche?"

"Bier. Ich hol ma no eins."

Guter Plan.

Ich hab dann ne Brezel gegessen, Helene Fischers Endlosschleife gelauscht, verblüfft festgestellt, dass ich null Verlangen nach ner Kippe verspüre, ne Frau geküsst, den Panda mit besoffenen Weibern vollgeladen und ab, zurück nach Baden.

Betriebsfest. Genau mein Ding.